Erinnerungstafel Januarkämpfe 1919 vom ehem. Leutzscher Bahnhof

  • Mal Abseits des Sportlichen:

    Seit dem 9.Januar 1959 hing am Leutzscher Bahnhof die Erinnerungstafel an die Januarkämpfe 1919.

    Die Inschrift dieser ca 1x1 Meter großen Tafel lautet: "Zur Erinnerung an die Januarkämpfe 1919



    Rote Matrosen, Soldaten und bewaffnete Arbeiter verhinderten auf dem Gelände des Leutzscher Bahnhofes die Weiterfahrt von Nosketruppen nach Berlin und Oberost Baltikum und entwaffneten sie. Dabei fielen am 9. Januar 1919 im Kampf gegen das 77. Infanterie-Regiment die roten Matrosen Bock und Kerk, die Soldaten Kern und Riedrich als Verteidiger der deutschen Revolution."

    Ich hatte per Mail den Vorstand unseres Vereines schon seit Jahren darauf hingewiesen diese Tafel ,um sie vor Zerstörung und Vandalismus zu bewahren, - in Absprache mit dem Kulturamt - von der frei zugänglichen Ruine des Leutzscher Bahnhofes zu bergen und nach Möglichkeit im oder am AKS anzubringen. Passiert ist bis heute NICHTS! :(

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    Seit einiger Zeit ist die Tafel jetzt verschwunden. In der gestrigen LVZ wurde nun ein Leserbrief zum Verbleib dieser Tafel beantwortet.

    Das Kulturamt hat vor einem Jahr von sich aus reagiert und die Tafel gesichert und eingelagert :thump:weil sich der Zustand des Leutzscher Bahnhofes immer mehr verschlechterte .

    Die Tafel soll noch bis zum Jahr 2019 restauriert und dann an einem neuen Standort DER NOCH GEFUNDEN WERDEN MUSS, wieder angebracht werden.

    Hier jetzt meine Bitte an den Vorstand der BSG Chemie Leipzig: Bitte bewerbt euch beim Kulturamt für eine Anbringung dieser Tafel im AKS! Die ganze Sache dürfte den Verein höchstwahrscheinlich nicht einmal etwas kosten. Der historische Bezug zu unseren Traditionen ist aber genauso vorhanden wie beim Gedenkstein für Georg Schwarz,

    Zum einen wurde zum Zeitpunkt der Ereignisse um den benachbarten Leutzscher Bahnhof unser Sportpark gerade von der Gemeinde Leutzsch errichtet, das Jahr 1919 dürfte der Anfang des heutigen AKS gewesen sein. Zum anderen war der Leutzscher Sportpark immer die Heimat von Arbeitervereinen. Selbst zu Zeiten deren Verbotes (TSV JAHN Leutzsch, Viktoria 06 Leutzsch) durch die NSDAP wurde kurzerhand der eigentlich "Bürgerliche" Verein TURA 1932 sowohl in den Vereinsgremien als auch vom Publikum zum Arbeiterverein, der ein Gegengewicht zum Bürgerlichen VFB darstellte.

    Für diese Ideale standen auch die Kämpfer am Leutzscher Bahnhof im Januar 1919. Also bitte lasst uns diese Chance nicht entgehen.

    "Ich wurde in dem Moment zum Patrioten, als mir klar wurde,daß man mir verbieten will, einer zu sein"

  • Politik hat im Stadion nichts zu suchen.

    Auch Dummheit sollte man fair beurteilen.
    Der Himmel grau und trist Wo Du jetzt auch bist Das, was war, scheint ewig lange her Das war unser Spiel Unser Vorhang fiel Geschichte bleibt, die nimmt uns keiner mehr Es ist schon lange her.
    Es war schön Einfach schön Endgültig vorbei, aber schön Winde dreh’n, Menschen geh’n Was war, kann uns keiner mehr neh’m Denk an unsre Zeit, sie war schön.

  • Politik hat im Stadion nichts zu suchen.


    Ganz so einfach kann man sich das nicht machen, schon wenn es darum geht Fördermittel für den AKS zu beantragen haben wir die Politik im Stadion.


    Wir haben eine Vergangenheit mit der wir irgendwie umgehen müssen, Chemie stammt vom Arbeiterverein TURA ab und war auch lange Zeit ein Arbeiterverein das ist erst mal Tatsache, ob wir das heute noch sind darüber gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Früher trug das Stadion den Namen Georg Schwarz Sportpark und es gab im Stadion auch mal eine Ehrentafel für Georg Schwarz. Wir können aber nicht für jeden getöteten Arbeiter eine Ehrentafel im Stadion anbringen auch nicht wenn sie gleich um die Ecke am Bahnhof gefallen sind. Wir leben in einer Zeit des Wandels selbst Vereine wie „Schalke“ oder „Liverpool“ haben Probleme damit als Arbeiterverein angesehen zu werden.

  • Ich sehe aus auch nicht unbedingt als Politik sondern eher als Traditionspflege. Politik ist in meinen Augen eher so etwas unpassendes wie zu unseren Heimspielen eine "Refuges welcome" Fahne im Fanblock aufzuhängen, Traditionspflege dagegen ist an vergangene Ereignisse und Meilensteine (in diesem Fall fast 100 Jahre) in und um unseren Verein oder unseren Sportpark zu erinnern. Es gibt übrigens nicht nur Georg Schwarz -der mit dem Verein im eigentlichen Sinne weniger zu tun hatte sondern "nur" die Fussballspiele im Sportpark mit seiner Widerstandsgruppe nutzte - es gibt auch einen Karl Schwarz seines Zeichens Inhaber der Tura Automatenfabrik , welcher mit viel Geld aus seiner Fabrik und viel Herzblut die Erste Leutzscher Legende in Form von Tura1932 schaffte. Interessant wäre mal ganz nebenbei ob beide "Schwarz" -Georg und Karl -irgendwie miteinander Verwandt waren, so in Richtung Vater und Sohn etc? Oder alles nur Zufall? Der gleiche Name, das gleiche Stadion,die gleiche Zeit? Vielleicht konnte Georg so lange den Widerstand während der Tura Spiele organisieren weil ihm sein Vater Karl den Rücken vor den Nazis freihielt? Wer weiß......

    Bikeropa Zur Ehrentafel: Wie schon gesagt die Ereignisse 1919 spielten sich zeitgleich mit dem Bau des Sportparkes ab. Die Tafel hängt schon seit Januar 1959 am Leutzscher Bahnhof , da spielten die Fusionierten Vereine Chemie Südwest und Chemie West gerade erst 1 Jahr unter dem traditionsreichen Namen BSG Chemie Leipzig in der Leipziger Bezirksklasse im GSP während die ehemalige Erste Mannschaft von Chemie schon seit über 4 Jahren als SC Lokomotive spielen musste, zu dieser Zeit im Stadion des Friedens in Gohlis.

    2019 wäre ein Guter Zeitpunkt diese Tafel wieder nach Leutzsch zu holen, zumal dies alle kostenneutral gehen könnte. Neben der wieder heimgeholten Ehrentafel von Georg Schwarz wäre auch noch Platz , oder an der Wand der Geschäftstelle, doch da sollen sich andere einen Kopf machen. Wie gesagt ,für mich liest sich das alles wie eine Win-Win Situation für Kulturamt und Verein.


    P.S den LVZ Artikel zur verschwundenen Tafel habe ich jetzt auch online im Pressreader gefunden, hier der Link: https://www.pressreader.com/ge…/20180223/282351155260376


    Ausserdem ein der Leutzscher Stadtteilzeitung von 2009 ein guter Artikel zu diesen Ereignissen am Leutzscher Bahnhof und der -ja beinahe Weltumspannenden Bedeutung dieser Aktion -bis hinauf ins Baltikum: http://www.blickpunkt-leutzsch.de/news/Blickpunkt_41_WEB.pdf Seite 8 und 9!

    "Ich wurde in dem Moment zum Patrioten, als mir klar wurde,daß man mir verbieten will, einer zu sein"

  • Es geht hier um zwei unterschiedliche Dinge.

    1.

    Examiner schrieb:

    Politik hat im Stadion nichts zu suchen.


    Politik ist nicht nur das was Frau Murkel und Berlin zurecht murkelt, sondern auch das was im Leipziger Rathaus gemacht wird, hier müssen wir Fördermittel für den AKS zu beantragen und schon haben wir die Politik im Stadion.


    2.

    Das Andere ist wie gehen wir mit unserer Vergangenheit um, stehen wir noch zu dem was wir mal waren, oder ist das längst Vergangenheit von dem Keiner mehr etwas wissen will. Wir wären da in bester Gesellschaft, selbst berühmte Arbeitervereine wie „Schalke“ oder „Liverpool“ haben heute Probleme damit wenn sie in Zeiten des Kommerz und des großen Geldes als Arbeiterverein bezeichnet werden.

    Wir können auch nicht für jeden getöteten Arbeiter eine Ehrentafel im Stadion anbringen, um die besagte Tafel vom Bahnhof Leutsch sollte sich die Stadt kümmern, was sie wohl auch schon getan hat.