Personal bei Chemie

  • Steve Bathelt, der neue Geschäftsführer von Chemie Leipzig, freut sich auf seine umfangreichen Aufgaben im Alfred-Kunze-Sportpark.

    BSG-Chemie-Geschäftsführer Bathelt:

    „Der Verein stößt jeden Tag an Grenzen“:


    Der gebürtige Geraer Steve Bathelt (39) ist seit Mai

    der neue Geschäftsführer der BSG Chemie. Im Interview erklärt er,

    warum er für die Leutzscher seinen Posten bei der Stadt Augsburg

    aufgegeben hat.

    Während sich die Chemie-Elf in der Saisonvorbereitung befindet,

    der Dauerkartenverkauf auf einen Rekord zusteuert und Baumaßnahmen

    auf dem Gelände des Alfred-Kunze-Sportparks betreut werden,

    hat sich Steve Bathelt (39) in einem der Büros der Geschäftsstelle

    eingerichtet.


    Der gebürtige Geraer ist neuer Geschäftsführer der Leutzscher

    und soll sich insbesondere um die Themen Weiterentwicklung der

    Vereinsstruktur, Vernetzung und die Sportparkentwicklung kümmern.

    Anfang Mai hat er seinen Job begonnen – und seither das Innenleben

    der Grün-Weißen intensiv studiert. Bathelt über die komplexe Struktur

    in Leutzsch, die eigene Karriere als Fußballer und wie er beinahe

    schon mal beim FC Sachsen angefangen hätte. Wie sind die Eindrücke

    nach gut zwei Monaten ? Ich habe in den ersten Wochen nur zugehört,

    habe viele Gespräche geführt, um den Verein und die handelnden Personen

    kennenzulernen. Von außen ist so etwas schlicht unmöglich. Ich habe nun

    ein Gefühl für die vielfältigen Herausforderungen und bestätigt bekommen,

    dass der Verein Unterstützung benötigt.


    Wobei braucht die BSG Chemie diese Hilfe hauptsächlich? Im Moment stellt

    der Verein jeden Tag fest, dass er an Grenzen stößt. Ich bin nicht da,

    um einzelne Bereiche abzudecken, sondern etwas an Strukturen zu ändern,

    zu schauen, welche Anforderungen an den Verein gestellt werden.

    Eine zweite koordinative Führungsebene einzubauen ist das Ziel des Vorstandes,

    der diese Grenzen ja gesehen hat. Die Vorständler stecken ganz tief im

    operativen Bereich, da sind längst Grenzen erreicht. Im Miteinander von

    Hauptamt, Ehrenamt, Fanszene, Förderverein und Sponsoren, wo es ganz viel

    Bereitschaft gibt, mitzugestalten und zu helfen, bekommt man die Kraft

    aber irgendwann nicht mehr komplett auf die Straße. Warum ist das so?

    An welchen Stellen muss nachgebessert werden? Tatsächlich hat Chemie vor

    acht Jahren noch in der Bezirksliga gespielt, das muss man sich mal vorstellen.

    Die sportliche Entwicklung der ersten Mannschaft kurbelt das Wachstum des

    gesamten Vereins an. Mit steigender Zahl an Nachwuchsmannschaften,

    Mitgliedern und Zuschauern steigt auch der Bedarf im Umfeld. Um diesen

    Herausforderungen gerecht zu werden, benötigen wir eine klare Struktur,

    die Raum für Kreativität lässt.


    Am Ende des Tages muss ein einfaches „Dankeschön“ an die vielen Ehrenamtlichen

    drin sein. Ehrenamtliches Engagement ist für uns elementar, darf aber niemals

    Selbstverständlichkeit werden. Sie sind in Gera geboren, kommen nicht aus

    dem Fußball. Was qualifiziert Sie für den Posten bei Chemie? Fußball habe

    ich lange gespielt, 2004 in der Bezirksliga als Torwart für Wismut Gera nach

    deren Insolvenz. Bis vor fünf Jahren habe ich aktiv gespielt, zuletzt in der

    Landesklasse bei Eintracht Camburg. Fußball ist mehr als ein Hobby.

    Fachlich war ich als Sportkoordinator der Stadt Jena in die Lizenzierungsvorgänge

    für die 3. Liga und Frauen-Bundesliga involviert sowie Mitglied des Projektstabes

    für den Neubau des Ernst-Abbe-Sportfeldes.


    2018 erfolgte der Wechsel nach Augsburg als Sportmanager und Beauftragter der

    Kanu WM 2022 – inklusive der Generalsanierung des Olympiaparks Augsburg.

    Was wussten Sie bisher über Chemie? Es gab intensiven Kontakt seit anderthalb Jahren.

    2011 saß ich, damals noch als Student, zu einem Bewerbungsgespräch in der

    Geschäftsstelle des FC Sachsen, aber da war es schon zu spät für ein Engagement,

    der Verein war nicht mehr zu retten. Ich finde es beeindruckend, wie Chemie in den

    vergangenen zehn Jahren nach demokratischen Prinzipien zu einem Verein gemacht wurde,

    in dem sich so viele Menschen wiederfinden. Somit ist auch die Akzeptanz für viele

    Verhältnisse im Sportpark gegeben. Der Alfred-Kunze-Sportpark ist das größte Pfund,

    aber auch die größte Herausforderung für den Verein. Lesen Sie auch Das wird die größte

    Herausforderung? Der AKS ist das Herzstück. Allein die Bewirtschaftung ist eine

    Mammutaufgabe. Wir haben infrastrukturell 20 Jahre aufzuholen, in denen vor der Übernahme

    durch die BSG Chemie nichts investiert wurde. Die Sanierung der Holztribüne,

    die Realisierung von Kunstrasen und Familienblock und die Inbetriebnahme der

    Flutlichtanlage zeigen, welche Kraft im Verein steckt. Ich mag mir nicht ausmalen,

    was hier los wäre, wenn wir den Besuchern intakte Sitzplätze und vernünftige Toiletten

    anbieten könnten. Das alles geht nur Schritt für Schritt – und gewiss nicht ohne

    zusätzliche Hilfe von Stadt, Land und Bund.


    Warum tauschen Sie eine solch komplizierte Arbeit mit dem wohlsituierten öffentlichen

    Dienst in einer Stadt wie Augsburg? Nach zehn Jahren im Öffentlichen Dienst fragt man

    sich, was man will im Leben, und auf was man mal zurückblicken möchte. Mir war klar,

    dass ich etwas mit Herz machen möchte, was mich fordert, was Identifikation erfordert.

    Und wo ich richtig Lust drauf hab. Das habe ich bei Chemie gefunden.


    JF in der LVZ: da

  • Miroslav Jagatic: „Vom Hero zum Zero

    ist es im Fußball ein schmaler Grat“

    Engagiert bis in die Haarwurzeln und Fingerspitzen: Miroslav Jagatic (46) ist stolz, Trainer des Traditionsvereins Chemie Leipzig zu sein.


    Chemie Leipzigs Trainer Jagatic: "Vom Hero zum Zero ist es im Fußball ein schmaler Grat“


    Am Freitag hat Fußball-Regionalligist Chemie Leipzig den Vertrag mit Miroslav Jagatic bis 2024 verlängert.

    Anschließend entlockte die LVZ dem Leutzscher Trainer im Interview viele spannende Aussagen.


    Seit dreieinhalb Jahren ist Miroslav Jagatic (46), ein Bosnier mit kroatischen Wurzeln, bei

    Fußball-Regionalligist Chemie Leipzig im Amt und setzt damit Maßstäbe:

    Länger war vor ihm in Leutzsch seit Jahrzehnten kein Trainer in der Verantwortung. Am Freitag

    gab der Verein die Verlängerung seines Vertrages um ein weiteres Jahr bis 2024 bekannt. Im

    LVZ-Interview mit dem Coach geht es um einen Berliner in Sachsen, das Besondere am Leutzscher

    Traditionsverein, den eigenen Sohn im Team und den Umbruch, in dem sich die Mannschaft derzeit

    befindet. Wie bewerten Sie die Verlängerung bis 2024, was bedeutet das für Sie? Das ist eine

    Riesenwertschätzung seitens des Vereins. Dass ich etwas mit gestalten kann, dass meine Meinung

    zählt als Trainer, ist ein Zeichen, dass wir wirklich eine große Familie sind und zusammenhalten.

    Damit schließt sich der Kreis, denn viele unserer Spieler haben auch Vertrag bis 2024.


    Wir wollen gemeinsam etwas aufbauen. Wie soll das genau aussehen? Wir sind ja derzeit im Umbruch

    und müssen einige Lücken schließen. In der vor uns liegenden Saison wollen wir zueinander finden,

    um im nächsten Jahr noch mal an zwei, drei Stellen zu verstärken. Dann wollen wir die Ernte einfahren.

    Was bedeutet das? Dass wir nicht mehr ständig nach unten schauen müssen. Dann können wir vier,

    fünf Jahre von dieser Mannschaft zehren. Es wichtig, auch mal Ruhe zu haben bei Personalentscheidungen.

    Und dann wollen wir die Liga ärgern. Als Sie im Winter 2019 antraten, stand der Regionalliga-Aufstieg

    im Fokus. Die Entwicklung seither ist enorm. Was überwiegt: Lust oder Last? Ich bin stolz, bei einem

    solchen Traditionsverein Trainer sein und ein solches Projekt mitgestalten zu können.


    Andere im Verein sind seit 40, 50 Jahre bei Chemie, da bin ich dankbar und demütig. Sie gelten als

    extrem ehrgeizig, haben aber vorwiegend Spieler, die nach der Arbeit erst trainieren können.

    Wie gehen Sie damit um? Ich stelle mich immer schützend vor die Mannschaft, weil genau dieser Fakt oft

    vergessen wird. Es ist mein Job, die manchmal übersteigerten Erwartungshaltungen zu dämpfen und auf

    ein realistisches Maß zu bringen. Andererseits ist es mein Job, das Maximale aus dem Team herauszuholen.

    Manchmal, nach einem tollen Sieg, bin ich in Gedanken dann schon wieder beim nächsten Spiel, so dass

    viele denken, Mensch Miro, du kannst dich wohl gar nicht richtig freuen. Da muss ich vielleicht dran

    arbeiten. Aber meine Aufgabe ist es nicht, den Gute-Laune-Bär zu mimen, sondern immer wieder den Finger

    in die Wunde zu legen. Wie kommt es, dass Sie sich als Berliner so gut in Sachsen zurechtfinden?

    Ich komme mit der Mentalität prima klar. Meine Frau stammt aus Sachsen-Anhalt, ich hatte schon früher

    viele Kontakte hier. Ich kann mich auch mit dem Ostfußball total identifizieren. In Berlin haben sie

    immer gesagt, du bist der Ossi. Das Klischee, was die Leute über Sachsen sagen, ist Bullshit.

    AFD und so. Meine Familie sagt: Die Sachsen sind ein gemütliches Volk, die Leute sind demütig, das gefällt

    mir ganz einfach, egal ob Maurer oder Geschäftsmann. Ich sehe viele Parallelen zu Jugoslawien, mit den

    kleinen Dingen zufrieden zu sein. Mein Schwiegervater sagt auch immer: Nicht wegschmeißen, das kann man

    noch reparieren. Bisher lief also alles nach Plan. Aber was, wenn die Zeit kommt, wenn der Trainer

    Jagatic die Mannschaft vielleicht nicht mehr erreicht, wenn sich vieles abgenutzt hat?


    Irgendwann wird der Moment bestimmt kommen, aber dann werde ich dem zuvor kommen und sagen:

    Ich habe das Maximum mit dem Verein erreicht, es war eine geile Zeit, und wenn ihr Hilfe braucht,

    sprecht mich an. Man sieht sich im Leben immer zweimal. Ich werde mich nicht vom Hof jagen lassen.

    Ich habe einmal den Fehler gemacht in meiner Karriere und nicht die Konsequenzen gezogen. Das passiert

    mir nicht noch einmal. Eine wichtige Entscheidung war die Installation der „Quadriga“, also dem

    Vierergremium bestehend aus Ihnen, Co-Trainer Christian Sobottka, Teammanager Daniel Heinze und

    Uwe Thomas.

    Hat sich diese ungewöhnliche Konstellation bewährt? Absolut. Ein Mann wie Uwe Thomas nimmt mir sehr

    viel ab, legt den Finger auch mit in die Wunde und hält mir den Rücken frei, würde selbst sein letztes

    Hemd geben. Bei uns beiden prallen auch mal zwei Vulkane aufeinander.

    Da wird es auch mal laut, hinterher lachen wir. Auch mit Heinzi und Christian passt es absolut.

    Auch mit Vorstand und Aufsichtsrat passt es. Und so eine Ikone wie Frank Engel im Verein zu haben,

    ist der Wahnsinn. Er ist für mich eine Lichtgestalt. Das haben manche noch gar nicht realisiert,

    wen wir da eigentlich im Verein haben.

    Was passiert, wenn Chemie mal drei, vier Spiele am Stück verliert? Es kann auch passieren, dass es

    vier oder fünf Spiele sind. Aber ich weiß, dass wir so gefestigt sind, dass wir das abfedern können.

    Klar wird der Druck dann größer. Ich mache mir nicht um mich Sorgen, sondern versuche den teilweise

    unnötigen Stress von der Mannschaft fernzuhalten. Ich sage immer: Vom Hero zum Zero (Vom Helden zur Null)

    ist es im Fußball ein schmaler Grat. Es wird auch in der neuen Saison Phasen geben, wo es holpern wird.

    Das wäre eine andere Situation, wenn wir Jungs haben, die nur Fußball spielen. Florian Brügmann hat bei

    seiner Vertragsverlängerung vor wenigen Tagen gesagt, er kam hierher, um ehrlichen Fußball zu spielen.


    Was ist das für Sie? Das hängt vor allem mit den Fans zusammen. Wir haben ehrliche Fans, die uns auch dann

    motivieren, wenn wir mal schlecht spielen. Es gibt auch Tage, wo wir den Gegner niederringen müssen: Ärmel

    hochkrempeln und kämpfen, weil wir Chemiker sind. Mit ehrlich meint er auch, dass wir hier gemeinsam was

    aufbauen wollen und immer direkt und ehrlich miteinander umgehen. Es ist nicht pompös, sondern alle kommen

    auf eine ehrliche Bratwurst zu uns, bei uns riecht es noch nach Holzkohle. Was erwarten Sie konkret von der

    neuen Saison? Wichtig ist, dass wir in Ruhe arbeiten können, denn es wird nicht einfacher. Unser Ziel

    verkünden wir Anfang August. Es wird eine total verrückte Saison, das sage ich schon voraus.

    Ich werde keinen Verein auf ein Podest heben, es wird für niemanden einen Durchmarsch geben.

    Es gilt für alle Vereine, als Gemeinschaft die schwierige Zeit gemeinsam durchzustehen. Wir dürfen keinen

    Sponsor oder Fan verärgern, müssen alle mit ehrlicher Arbeit überzeugen. Eines steht fest: Der Ehrgeiz

    und der Anspruch unserer Mannschaft ist groß. Letzte Saison war Chemie Neunter.


    Wäre ein zwölfter Platz jetzt ein Rückschritt? Wir befinden uns im Umbruch, es gibt nur noch 18 statt

    20 Mannschaften. Insofern stellt sich die Frage nicht. Wir wollen auch nicht tiefstapeln, aber immer

    realistisch bleiben. Im neuen Spieljahr stehen ja zwei Jagatics in der Mannschaft, ihr Sohn Maximilian

    ist in den Kader gerückt. Eine besondere Situation zweifelsfrei. Wie gehen Sie damit um? Dass wir Vater

    und Sohn sind, spielt beim Training keine Rolle. Wie jeder talentierte Spieler wird er vom Verein gefördert.

    Jetzt muss er mit Leistung sehen, was er daraus macht. Zu Hause ist das Thema tabu, wie mit jedem anderen

    Spieler reden wir über Chemie im Stadion. Ansonsten ist das nicht gut für das Familienleben.


    Von Jens Fuge und Frank Schober


    (PS: ich mag keine "Schranken", wenn es um Chemie geht)

  • Andacic

    Neuer Verteidiger: Chemie Leipzig schlägt noch einmal auf dem Transfermarkt zu

    Mateo Andacic bei seiner Vertragsunterschrift.

    Fußball-Regionalligist Chemie Leipzig hat sich unmittelbar vor Ende der Transferperiode noch einmal verstärkt.

    Defensivspieler Mateo Andacic (24) kommt von Kickers Offenbach nach Leutzsch.


    Nicht nur in der Bundesliga ging es bis zum Schließen des Transferfensters am Donnerstag hoch her. Auch Regionalligist Chemie Leipzig holte noch einen neuen Spieler für die Defensive. Von den Kickers Offenbach kommt Mateo Andacic ins Leutzscher Holz. Der 24-Jährige verstärkt die Abwehr zunächst bis Sommer 2023 und bekommt die Rückennummer 6.


    Uwe Thomas von der Sportlichen Leitung meint: „Mateo ist ein junger Spieler, er ist flexibel einsetzbar und besitzt gute technische Fähigkeiten.“ Andacic selbst sagt: „Ich freue mich sehr, dass ich künftig für so einen Verein mit zahlreichen Fans auflaufen darf. Die Gespräche mit den Verantwortlichen geben mir das Gefühl, bei Chemie Leipzig genau richtig zu sein.“


    Mateo Andacic begann seine Fußballlaufbahn im Nachwuchs der Kickers Offenbach, ehe er ab 2011 sieben Jahre für den FSV Frankfurt und zuletzt wieder in Offenbach spielte. Die Nordost-Staffel kennt er aus seiner Zeit bei Wacker Nordhausen.

    Quelle